Presse
Stadtfest 2014

    Tagsüber schläft die Stadt, nachts tobt sie
 

Herrenberg: Am Samstag bewegen sich wegen des Stadtfestes Menschenmassen durch die Innenstadt

Gäubote-Artikel vom 21.07.2014

Die Sonne scheint und Herrenberg feiert. Das Glück, auf ein Wochenende mit endlosem Hoch und denkwürdigen Temperaturen zu fallen, hatte das Stadtfest selten. Mit einiger Mühe ließe sich dieses Fest darstellen als eine sehr komplexe Gleichung gewaltiger Flüssigkeitsmengen, die hier und dort fließen – einschließlich jener, die angesichts der tropischen Hitze auf Stirnen glänzen. Aber zum Rechnen ist’s zu heiß am Samstag und am Sonntag: Tagsüber schläft die Stadt, nachts dann tobt sie.


Von Thomas Morawitzky


Das Stadtfest schließt traditionell die „Sommerfarben“ ab und stand dieses Jahr wettertechnisch unter einem besonders guten Stern
GB-Foto: Bäuerle


Obwohl natürlich auch der helle Tag seine Stadtfest-Freuden bereithält. Vor allem auf der Marktplatzbühne. Hinter ihr steht nach 16 Uhr die Stuttgarter University Pipe Band - bereit, hinaufzustürmen und in den Dudelsack zu blasen. Es sind Damen und Herren, die nicht zum ersten Mal zu Gast sind in der Gäustadt: "Das letzte Mal", erzählen sie, "mussten wir durch die Stadt marschieren." Sie sind sehr froh, dass sie es dieses Mal nicht tun müssen, denn sie tragen grünen Rock und gelbe Krawatte, und der Samstag ist sehr heiß.

Die Delegation jener, die sich dem Dudelsack verschrieben haben, setzt sich zusammen aus Spielern, die zwei Gruppen der University Pipe Band angehören. Sie spielen traditionelle und moderne Musik auf ihren Instrumenten, elf von ihnen auf der Sackpfeife, zwei von ihnen auf dem Schlagzeug. Das Publikum, das um diese Zeit schon auf dem Marktplatz schwitzt, wird dabei gut unterhalten: Bevor die Nacht beginnt, kommt man dort zusammen, um im Schatten zu sitzen, träge zu schwätzen und sich nur wenig zu bewegen. Es gibt kühle Getränke, Schaumkronen, die köstlich auf schweren Gläsern sitzen. Und es gibt Essen. Die Pipe Band geht, es kommt der Square-Dance-Club Gäu Promenaders. Von denen wird zumindest körperlich fraglos mehr gefordert auf der Bühne als von den Pfeifern. Es kommt schließlich auch die MSS Big Band aus Frankfurt am Main mit feschem Swing und Sängerin - und es kommt der Abend, die Nacht. Was nicht kommt: die Abkühlung. Und ganz sicher: Das ist gut so. "Endlich einmal schönes Wetter!", ruft eine Stimme in der Menge und spricht aus, was sie alle denken.

Nach 22 Uhr ist in der Innenstadt schweres Vorankommen. Seit 19 Uhr schon spielen Live-Bands an fünf Standorten: vor dem Bronntor, im Klosterhof, vor dem Alten Amtsgericht, auf dem Place de Tarare, im Unteren Graben. Menschenmassen schieben sich vorbei, bleiben hängen, traubenweise. Hier faucht AC/DC, dort teilen Männer einmal mehr den Liebeskummer von Melissa Etheridge. Nebenan machen "Diet Dope" gerade Pause, um sich den Schweiß von der Stirn zu wischen.

Aber nur wenige Meter weiter schon stehen "4 more friends" vor einer Menge, die bereits seit längerem kocht. Im Graben trifft man drei Musiker an, die auf einer Bühne sitzen, auf der Bierfässer stehen, und akustische Gitarre spielen: "20 past 7" behauptet der Stadtfestplan, sei der Name dieser Band. Die Band selbst sieht das anders: "Heute heißen wir Waldmeister", sagt der Mann mit Bart. "Waldmeister 2014!" Einen Schwank aus seiner Jugend will er nicht erzählen, stattdessen spielt er einen Song von den Beatles. "Help" heißt er und trifft ins Schwarze. Mit etwas Mühe findet man jedoch auch beim Stadtfest ein ruhiges Plätzchen, an dem man seine Weinschorle trinken kann. Menschen wandern über die Straßen, immer neue kommen hinzu. Es ist Mitternacht. Es ist noch lange nicht Schluss. Und es ist heiß.

Das ist es auch am dritten Tag, also am Sonntag, noch. Zunächst zumindest. Die Abkühlung, die schließlich kommt, kommt für viele noch zu früh und ist deshalb längst nicht kühl genug: Nach Mittag weht ein anderer Wind auf dem Herrenberger Marktplatz. Die Jugend der Stadtkapelle steht dort, spielt, wird geleitet von Elke Lang - und hat ihre Probleme. "Aber jetzt", sagt die Dirigentin, "haben wir das hoffentlich gelöst und die Noten bleiben dort, wo sie hingehören." Zuvor wurden sie lustig von dannen geblasen. Die musikalische Jugend scheint zu allem entschlossen: "Wir spielen so schön, dass es die Wolken wegweht", verspricht Elke Lang. Aber die Wolken kommen erst noch und bringen erste schwere Tropfen mit sich.

Der Wirt in der Stuttgarter Straße, der noch am Samstagabend hinausrief "Haben Sie keinen Hunger?", räumt schon eilig seine Garnituren zusammen. Aber der Marktplatz ist noch voll, die gesamte Innenstadt, natürlich auch der Klosterhof: Dort steht nach 14 Uhr ein Chor aus Nufringen und singt passenderweise "Über den Wolken" - wird aber ganz leicht übertönt. Nicht etwa vom Gewitter, sondern vom Musiker Ralf Brendle, der wenige Meter weiter mit seinem Akkordeon und seinen Freunden vor dem Bronntor spielt und von einem schönen Mädchen singt, das im Wagen vor ihm fährt. Noch ist Zeit zu feiern in der Stadt, aber der Nachmittag verspricht Düsternis.

Eine Fotogalerie und ein Video zum Herrenberger Stadtfest finden Sie auf www.gaeubote.de


 



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