Presse
Konzert im Advent / Sonntag, 9. Dezember 2012

    Der Mensch trifft auf das Göttliche
 

Stadtkapelle bringt klangvolle Stücke bei Adventskonzert in Stiftskirche zu Gehör

Gäubote-Artikel vom 11.12.2012

Die Vorweihnachtszeit als großes Kino für die Ohren: die Herrenberger Stadtkapelle gab am Sonntagabend in der Stiftskirche ihr „Konzert im Advent“ – klangvolle Stücke vor vollem Schiff, Fanfaren und allüberall Abglanz des einen oder anderen Weihnachtslieds, umspielten als prunkvolles Programm besinnliche Gedanken.


Die Stadtkapelle bot ein musikalisches Weihnachtsmosaik dar
GB-Foto: Bäuerle


Von Thomas Morawitzky

„Die Natur, der Mensch, das Göttliche“ – so hatte die Stadtkapelle ihr Konzert überschrieben – ein Rahmen, dem gerecht zu werden ein Leichtes war, da viele Menschen in der Kirche saßen und die Natur draußen sich von unerbittlicher Romantik zeigte. Die Stadtkapelle unter Matthias Beno spielte sechs Kompositionen von großer, festlicher Anlage, durch die fast sämtlich der Geist der Weihnacht spukte. Dekan Eberhard Feucht sprach im zeitlichen Zentrum dieses Programms: Er hub an, mit dem guten alten Planetenwitz, bei dem die Menschheit zur Krankheit wird, unter der einer dieser kosmischen Brocken leidet. Misanthropie, die zu denken gibt. Des Dekans Gedanke suchte nach einer Kur gegen die humane Verantwortungslosigkeit und fand sie im Staunen. Das, so Feucht, müsse man wieder erlernen: „Denn das Staunen ist Achtsamkeit des Herzens.“

Alle Karten ausspielen

Die Stadtkapelle Herrenbergs präsentierte zu dieser Disziplin gewissermaßen den Einsteigerkurs, denn allzu schwer machte sie es ihren Zuhörern nicht, zum Staunen heimzukehren. Die Stücke, die Beno für seine Musiker ausgewählt hatte, waren darauf angelegt, alle Karten des großen Blasorchesters auszuspielen. Den Anfang – nach dem gemeinsam gesungenen Lied „Es ist ein Ros’ entsprungen“ – machte die Festmusik der Stadt Wien, alle Bescheidenheit blieb hier naturgemäß außen vor. Gefolgt wurde sie von den „Praetorius Variations“ des Komponisten James Curnow, die mit einer Fanfare beginnen und durch deren musikalische Wendungen hindurch immer wieder das eben gesungene gemeinsame Lied widerhallte. Bei der „Polnischen Weihnachtsmusik“ von Johan de Meij ist es nicht ein Weihnachtslied, das als Zitat anklingt – es sind viele. Das Stück selbst ist, wie Matthias Beno einleitend erklärte, eine Komposition, die sich geistlicher und volkstümlicher Motive bedient, ein musikalisches Weihnachtsmosaik. Die „Variationen über den Bach-Choral ‚Nimm von uns, Herr, du treuer Gott‘“ von Jack Stamp führten zu einem weiteren jahreszeitgemäßen Stück James Curnows – „Ouvertüre zu einem Winterfest“ –, das alle Register des Motivs zog: Man hörte das Schlagwerk rieseln, wie einen kleinen Schneesturm, die Blechbläser schwungvoll um die Ecke biegen, wie ein winterliches Pferdegespann. „Das große Tor von Kiew“ aus Modest Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“ bildete, an Fulminanz kaum zu überbieten, den Abschluss. Man sang, wieder gemeinsam, „O du fröhliche“, nach diesem üppigen Weihnachtsmahl, und machte sich auf, hinaus, in die eingeschneite Welt – wie gemalt, nur sehr viel kälter.

 

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