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Heim(at)werker:
Die Herrenberger Turmbläser wecken die Stadt jeden Sonntag mit Musik

Gäubote-Artikel vom 20.06.2009

Die Turmbläser gehören zum Herrenberger Stadtbild wie der Schlossberg oder die Stiftskirche. Wobei die Bläser, im Gegensatz zu den Wahrzeichen, eher zu hören als zu sehen sind. Jeden Sonntagmorgen bewältigen die Heim(at)werker mit ihren Instrumenten den Anstieg in den Turm der Stiftskirche und lassen einen Choral erklingen.


VON SABINE HAARER


Und Herrenberg hört zu: Die Turmbläser auf der Stiftskirche
GB-Foto: Schmidt

Damit alle Herrenberger in den Hörgenuss kommen, wird in drei Richtungen geblasen - jeweils mit Blickrichtung Marktplatz, Hasenplatz und Lämmleshalde nehmen die Turmbläser Aufstellung. Und spielen ein Ständchen mit historischem Hintergrund: "Ohne Turmblasen keine Stadtkapelle", vermerkt der Herrenberger Musikverein auf seiner Homepage. Laut Vogt Gottlieb Friedrich Heß durften im Jahr 1457 Spielleute und Turmbläser eine Bruderschaft gründen, demnach markiert dies das Gründungsjahr der Stadtkapelle.

Seit dieser Zeit kommen die Turmbläser, wie könnte es anders sein, aus den Reihen der Stadtkapelle. 13 Spieler stark ist die Gruppe derzeit, allesamt Blechbläser. "Holzwürmer können wir auf dem Turm nicht gebrauchen", sagen sie. Flöte, Klarinette oder Saxofon sind nicht laut genug. Und so werden jeden Sonntagmorgen ausschließlich Trompeten, Hörner, Posaune und Tuba die 150 Stufen in den Turm der Stiftskirche hinaufgeschleppt. Und zwar von Günther Haar, Andreas Fischer, Jürgen Schilling, Sandra Rief, Andreas Bauer, Nico Schilling, Holger Fauß (allesamt Trompete), Rainer Eitelbuß, Michael Schönhaar, Sabine Zlatner, Hansjörg Schill (Tenorhorn), Gerd Münzberg (Posaune) und Christian Däuble (Tuba).

Dann, wenn andere gemütlich beim Frühstück sitzen oder sich gar noch einmal in die Kissen kuscheln, verrichten die Turmbläser ihr Ehrenamt. Jeden Sonntagmorgen um 8.30 Uhr stimmen sie einen Choral an, darüber hinaus spielen sie mit dem Glockenschlag zum Jahreswechsel und sogar an Heiligabend. "Der Auftritt an Heiligabend ist für mich immer der schönste", schwärmt Günther Haar. Traditionell stimmen die Turmbläser um 21 Uhr "Stille Nacht" an, der hellerleuchtete Marktplatz und die besinnliche Stimmung haben es dem Herrenberger angetan. Seit 1969 spielt Günther Haar bei den Turmbläsern. "Mein Großvater war schon Turmbläser und mein Vorbild", sagt er. Zudem fungiert Günther Haar seit knapp 25 Jahren als "Zinkenist", was unter anderem bedeutet, dass er die Choräle aussucht, die gespielt werden. "Das Dekanat gibt eine Liste mit Vorschlägen heraus, davon übernehmen wir sehr viel", erzählt Haar. Manchmal lassen sich die Turmbläser auch zu einem kleinen Scherz hinreißen: "Während den Musiktagen haben wir sonntags mal das Trompetenecho gespielt."

Kaum ein Wetter ist den 13 Spielern zu schlecht, nur selten fällt der Sonntagsdienst aus: "Das kommt nur alle paar Jahre mal vor. Wenn die Temperaturen unter minus 15 Grad fallen, frieren die Ventile ein." Ansonsten müssen die Herrenberger nur auf das Ständchen am Sonntagmorgen verzichten, wenn die Turmbläser mit der Stadtkapelle zu Besuch in der Partnerstadt Tarare sind oder an der Prozession an Fronleichnam spielen. Dafür stehen für die Turmbläser eine ganze Reihe Auftritte an, die nicht von der Stiftskirche herunter gespielt werden.

Seit 30 Jahren machen sie bei der Fasnet in Eutingen Musik, seit einigen Jahren laufen sie bei den Umzügen in Seebronn und Herrenberg mit. Unvergesslich ist für Zinkenist Haar der Auftritt beim Richtfest der Hochhäuser im Herrenberger Ziegelfeld. "Die dachten sich wahrscheinlich, die Turmbläser sind die Höhe gewöhnt."

Außer am frühen Sonntagmorgen kommen die Turmbläser regelmäßig auch zu anderen Zeiten zusammen: zum einen beim traditionellen "Weihnachtsessen" in der ersten Januarwoche und zum anderen beim Kegeln an jedem zweiten Sonntagvormittag. "Damit haben wir 1978 angefangen. Davor sind wir immer direkt vom Turmblasen zum Einkehren in den Schwanen. Irgendwann haben wir gesagt, das Trinken am frühen Morgen muss aufhören", sagt Günther Haar.

 

 

 
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