Presse
Presseartikel zum Erlebniskonzert am 31.10.2008 und 01.11.2008
    Schizophrener Gesang in der Geisterbahn
 

Musikalisches Gruselkabinett: Herrenberger Stadtkapelle beeindruckt mit Ausflug in
die Welt der Elfen und Zauberer

Gäubote-Artikel vom 03.11.2008

Leider haben beim Beginn des Konzertes schon alle Besucher Platz genommen in der Herrenberger Stadthalle - denn zum Gang durch den finsteren "Überraschungstunnel" gibt die Stadtkapelle gerade die rechte Filmmusik: Durch die Takte von "Harry Potter und der Stein der Weisen", Musik aus dem gleichnamigen Publikumshit, wehen Spinnweben umso glaubwürdiger, wenn man sie auch tatsächlich vor sich hat, im Dunkel angeleuchtet von mysteriösem Licht - eskortiert von ganz und gar unnatürlichen Gestalten.


VON THOMAS MORAWITZKY


Sorgt für Gruselstimmung in der Stadthalle: Die Vorleserin Regina Kuhn
GB-Foto: Bäuerle

Die Stadtkapelle Herrenberg hat sich alle erdenkliche Mühe gegeben, ihr "Erlebniskonzert" auch zu dem werden zu lassen, was der Name versprach. Der Dank dafür war eine ausverkaufte Stadthalle am Freitagabend. Am Freitag begann man denn auch zeitig mit der Vorstellung, um 19 Uhr, wohl um auch den jüngeren Potter-und-so-weiter-Fans Gelegenheit zum Besuch zu geben. Die zogen prunkvoll bemalt und schwer bewaffnet in die Halle ein, denn im Foyer befand sich nicht nur ein Tisch, an dem engagiert und fantasievoll Kinderschminken betrieben wurde, sondern auch ein gut bestückter Merchandising-Stand: Keiner musste an diesem Abend ohne aufblasbares Seeräuberschwert bleiben.

Seeräuber gehörten nämlich ebenso zur Besetzung des Abends wie Zauberer, Elfen und Goloms. Die Stadtkapelle lockte gleich mit einem ganzen Strauß an Fantasy-Konzerten in ein Land jenseits der trockenen Einöden der Realität. Harry Potter und die Musik zum Zauberer, nicht frei von überschwänglich skurrilen Motiven, bildete da nur den Auftakt.

Auf die musikalische Begleitung von Besenstielritt und Hexenunterricht folgte ein Ausflug ins Land jenseits des Regenbogens, arrangiert vom Chor der Jerg-Ratgeb-Schule unter Leitung von Christoph Mild-Ruf: "Somewhere over the Rainbow" sang bekanntlich Judy Garland, in der schwarzweißen Steppe des amerikanischen Bundesstaates Kansas, bevor der große Wirbelwind kam, um sie genau dort hinzutragen, wo es Farbe, Zinnmänner, dafür aber auch grünnasige Hexen gab.

Humoristische Töne

Nach diesem kleinen sanglichen Intermezzo wurde es Zeit für den wirklich großen Ausflug des Abends, ins Land Mittelerde. Die humoristischen Töne der Harry-Potter-Musik fehlen dem "Herr der Ringe" ganz - stattdessen welterschütterndes Pathos, musikalisches Schlachtengetümmel. Und Stimmen, die dramatisch erzählen, mitunter sogar singen. Der Anfang, alleine: "Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden" Dirigent Matthias Beno meinte später zur Sprecherin: "Ich bekam eine Gänsehaut von diesem schizophrenen Gesang." Man kann wohl davon ausgehen, dass das in diesem Fall nicht als Kritik gemeint war, sondern als Kompliment.

Ein schwungvolles Ende des Konzertes bildete der "Fluch der Karibik". Hinaus aus der Halle ging es auf demselben Wege wie hinein: Durch finstere Tunnel. Sehr effektiv hatte der Musikverein mitsamt seinen Helfern die Stadthalle an diesem Tag in ein Labyrinth, verhangen mit schwarzem Stoff, verwandelt, das im Foyer begann und hinter den Stuhlreihen endete. Lange düstere Gänge, so richtig zum Fürchten.

Darin standen Gespenster und mysteriöse alte Männer und Ritter und auch ein Harry-Potter-Replikat samt Bücherschrank. Und es trieben sich auch Übeltäter aus Fleisch und Blut herum in diesen Gängen: Grinsende, unrasierte Piraten, angeheuert von der Stadtkapelle. Wenn das mal nicht aufregend war. Fast ein bisschen wie in der Geisterbahn.




 
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