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    "Fußballer sind die schlechteren Musiker"
 

Fußball - Kickerturnier der Musikvereine in Affstätt:
Instrumentalisten messen sich auf sportlicher Ebene - weitestgehend "talentfrei"

Gäubote-Artikel vom 28.05.2008

Trompeter gegen Tubist, Schlagzeuger gegen Flötistin. Am vergangenen Samstag ergaben sich auf den beiden Kleinfeldern auf dem Affstätter Sportplatz interessante Konstellationen. Wie jedes Jahr lockte das Fußballturnier der Musikvereine etliche Mannschaften an.


VON MICHAEL ZIEGLER


Vier "Allroundtalente" beim Musikerturnier in Affstätt (von links):
Jana Bestenlehner, Nadine Hartmann, Nadja Wolfer und Julia Reichardt
GB-Foto: Bäuerle

Heuer wetteiferten 14 Teams aus dem Kreis Böblingen miteinander. Während das fußballerische Niveau bei dem Wettstreit zumeist auf der Strecke bleibt, überwog dafür der Spaß am Spiel. "Das ist doch eine super Sache. So trifft man sich auch mal abseits der Festbühne", lobte der Dirigent des Öschelbronner Musikvereins, Ralf Weiss. Der versierte Trompeten- und Schlagzeuglehrer versuchte sich als Torwart, machte jedoch keinen Hehl daraus, dass er ein "talentfreier" Fußballer sei: "Meine Karriere habe ich schon nach der E-Jugend wieder an den Nagel gehängt", scherzte der 32-jährige, der das Turnier als "Spaßkick" bezeichnete, das in Zukunft auf jeden Fall fortgeführt werden müsse. "Das fördert die Kameradschaft und den fairen Umgang unter den Vereinen."

Ähnlich positiv äußerte sich auch Andreas Marquardt. Der Fördervereins-Vorsitzende der gastgebenden Stadtkapelle Herrenberg nutzte die Konkurrenz auch zur Kontaktpflege mit den Musikerkollegen: "Hier ist alles ein bisschen ungezwungener." Dass seine Kapelle am Ende nicht den vierten Sieg in Folge einfahren konnte, störte am Ende keinen. "Wir machen auch so Halli-Galli", frotzelte Posaunist Michael Däuble. Der Herrenberger konnte mit seinem Orchester in den letzten drei Jahren jeweils ausgelassen den Titel feiern. Und die Erfolge kamen nicht von ungefähr, wie der 25-Jährige berichtet: "Wir kicken einmal in der Woche auf dem Haslacher Sportplatz, das hat uns oft den entscheidenden Vorteil gebracht." In musikalischer Hinsicht hält der Blechbläser von den aktiven Fußballern nicht viel: "Fußballer sind die schlechteren Musiker", behauptet er "viele können ja nicht mal eine Flöte von einem Bass unterscheiden."

Als Allround-Talente erwiesen sich in dieser Hinsicht die Jettinger Talente Nadja Wolfer (Bariton), Julia Reichardt (Querflöte), Natalie Hartmann (Saxophon) und Jana Bestenlehner (Waldhorn), die sich in beiden Disziplinen als ausgewiesene Könner präsentierten. Zunächst hatten sie beim Massenchor vor dem Turnierstart mit den traditionellen Stücken keine Probleme, dann spielten das Mädchenquartett die Konkurrenz in der Jugendkategorie schwindelig.

Nach dem Vorjahressieg reichte es für die Jettinger diesmal "nur" zum zweiten Platz, die Freude über das Erreichte war aber trotzdem groß. "Das Kicken mit der Mannschaft war wieder eine Riesengaudi", freute sich Nadja Wolfer, die mit ihren Freundinnen seit Mitte März jede Woche zwei Stunden auf dem Fußballplatz stand, um sich optimal auf das Turnier vorzubereiten. "Wir hatten dieses Jahr auch starke Gegner, da waren wir richtig gefordert", merkte die 14-Jährige an. Obwohl die vier Mädchen vom Fußballfieber gepackt wurden, stehe ein Wechsel vom Instrument zum Lederball nicht zur Debatte. Und das liegt an der tollen Kameradschaft, wie Natalie Hartmann betont: "Wir sind in der Jugendkapelle ein verschworener Haufen."

Neben den jungen Teilnehmerinnen macht die Jagd nach der runden Kugel auch Gerhard Schanz noch große Freude. Der 61-Jährige hat seit der ersten Austragung des Turniers immer mit dem Musikverein Deckenpfronn teilgenommen. "So schlecht wie dieses Jahr waren wir aber noch nie", meinte der Tubist. Ohne Punkt und Tor musste der Vorjahreszweite diesmal früh die Segel streichen. "Wenn man immer um den Titel mitgespielt hat, ist so ein Abschneiden natürlich enttäuschend", erklärte Schanz, der aber auch Kritik an den anderen Mannschaften übte: "Einige Vereine halten sich nicht an die Regeln und lassen aktive Fußballer mitspielen, die kein Instrument spielen." Zu diesen "Übeltätern" gehörte seiner Meinung nach am Samstag der Sieger aus Holzgerlingen, der ohne Niederlage durch die Vorrunde spazierte und im Halbfinale den Musikverein Unterjettingen mit 3:0 vom Platz fegte.

Mit dem gleichen Ergebnis gewannen die Höfinger gegen den Rekordsieger aus Herrenberg, der sich durch ein 2:0 im Elfmeterschießen den dritten Platz vor dem MVU sicherte. Das spannende Finale entschied schließlich Holzgerlingen mit 2:1 für sich und muss deshalb im kommenden Jahr den Wettbewerb austragen. Bei der Jugend jubelte der Musikverein Höfingen (neun Punkte) vor Unterjettingen (sechs Punkte), Grafenau und Herrenberg (beide ein Punkt).

Die Torbilanz konnte sich am Ende eines sportlich-musikalischen Tages durchaus sehen lassen: In 30 Spielen markierten die 14 Mannschaften stattliche 73 Tore, was einem Schnitt von zweieinhalb Treffern pro Spiel entspricht. Dies lässt den Schluss zu: Musiker sind in der Offensive besonders stark, die Defensivarbeit ist dagegen eher noch verbesserungswürdig.




 
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