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    Generationswechsel an der Vereinsspitze
 

Jahreshauptversammlung der Stadtkapelle Herrenberg: In Zukunft keine Musiktage mehr - Große finanzielle Verluste

Gäubote-Artikel vom 25.02.2008

Herrenberg - Fast 20 Jahre lang hatte Georg Schwenk beim Musikverein Stadtkapelle Herrenberg das Sagen. Nun verlas er bei der Hauptversammlung im "Botenfischer" zum letzten Mal seinen Rechenschaftsbericht. "Ein komisches Gefühl", wie Schwenk betonte, der seinem Nachfolger Thilo Marquardt einen "funktionierenden Verein" übergibt.


VON MICHAEL ZIEGLER


Die neu gewählte Führungsspitze der Herrenberger Stadtkapelle (von links):
Michael Schönhaar, Stefanie Habermaaß, Thilo Marquardt und Gerd Henßler
GB-Foto: Holom

Schwenk erhofft sich vom Führungswechsel "neue kreative Ideen und neue Formen der Gestaltung von Festen und Konzerten". Trotz der Melancholie, die in seinen Worten mitschwang, war Schwenk doch auch erleichtert, nach so langer Zeit die Verantwortung abgeben zu können. Die Suche nach einem Nachfolger verlief dabei alles andere als reibungslos. Da sich keines der rund 600 Mitglieder dazu bereiterklärte, den mutmaßlich ältesten Musikverein Deutschlands in die Zukunft zu führen, soll für die Übergangszeit von einem Jahr ein vierköpfiges Gremium dem Verein vorstehen.

Als neuer Vorsitzender wird dabei Thilo Marquardt ins Vereinsregister eingetragen. Damit vollzieht der Verein einen Generationswechsel: Der 61-jährige Schwenk tritt ab, der 28-jährige Marquardt kommt und wird mit den beiden Stellvertretern Stefanie Habermaaß und Michael Schönhaar sowie Schriftführer Gerd Henßler provisorisch das Ruder übernehmen. Was danach kommt, wusste am Freitagabend keiner so genau zu sagen. Einerseits sei man bestrebt, einen neuen Kandidaten zu finden, andererseits sei es aber auch möglich, die Satzung zu ändern, indem man das Amt des Vorsitzenden auf mehrere Schultern verteilt.

Damit wartet auf die Stadtkapelle heuer eine weitere große Herausforderung, nachdem 2007 die großen Feierlichkeiten anlässlich des 550-jährigen Bestehens über die Bühne gebracht worden waren. "Es war nicht immer einfach", meinte Schwenk in Bezug auf die vielen Großveranstaltungen im abgelaufenen Jahr. "Am meisten bedauere ich, dass wir das Wertungsspiel wegen zu wenigen Teilnehmern absagen mussten." Der scheidende Vorsitzende räumte ein, mit dem musikalischen Wettbewerb "wohl auf das falsche Pferd" gesetzt zu haben. "Das hat mir ganz schön gestunken", betonte der 61-Jährige, der sich jedoch mit seinen Mitgliedern auch an zahlreichen positiven Ereignissen im Jubiläumsjahr erfreuen durfte. Schwenk erwähnte dabei den "fulminanten Auftritt" der Egerländer Musikanten unter der Leitung des ehemaligen Herrenberger Dirigenten Ernst Hutter ebenso wie den "Großen Zapfenstreich" auf dem Marktplatz. Schwenk kündigte jedoch auch an, dass es die Herrenberger Musiktage eine weit über die Grenzen Herrenbergs bekannte Veranstaltung in naher Zukunft nicht mehr geben werde. Die Gründe für diesen Schritt seien zum einen die für Festlichkeiten nicht mehr zeitgemäße Mehrzweckhalle und zum anderen die zu erkennende Abnutzungserscheinung des Trachtenfestzugs. "Nach 15 Jahren brauchen diese Festzüge einfach mal wieder eine Pause, um wieder als Sensation angesehen zu werden", erklärte Schwenk, der auch das finanzielle Risiko als wichtigen Aspekt ins Feld führte. Doch der Stadtkapellen-Chef versuchte, der Entscheidung Positives abzugewinnen: "Auf diese Weise haben wir die Möglichkeit, uns mehr den musikalischen Herausforderungen zu stellen." Schließlich sei man ein Musikverein und kein Veranstaltungsverein.

Dem wird auch Dirigent Matthias Beno zustimmen, der in seiner Rede auf die Herausforderungen der Zukunft aufmerksam machte. So sei durch die Einführung des achtjährigen Gymnasiums und der Ganztagsschule die Arbeit im Jugendbereich stark eingeschränkt. "Viele Kinder sind überfordert und finden keine Zeit mehr für ihr Hobby." Beno kritisierte die seiner Ansicht nach mangelnde Kommunikation der Schulen mit den Vereinen und forderte auch von der Stadt bessere Absprachen. "Musik und Sport gehören zu den Elementarbedingungen in der Entwicklung der Kinder, das sollte man nicht unterschätzen."

Die positiven Auswirkungen der Nachwuchsausbildung, die vor allem durch die Zusammenarbeit mit der Musikschule zu erklären sei, zeige sich im hohen Niveau, das die Stadtkapelle mittlerweile erreicht habe. Beno: "Ich bin stolz, ein so vielseitiges Orchester dirigieren zu dürfen." Vor allem der Auftritt bei den "Sommerfarben" unter dem Motto "Lets fetz" habe gezeigt, dass Blasmusik "alles andere als verstaubt und altbacken" sei. Trotz der musikalischen Erfolge musste Kassiererin Kerstin Bertinchamp von einem "großen Minus" berichten, das vor allem aus den Jubiläumsfeierlichkeiten und einer CDProduktion resultiere.

"Wir sind bei den Einnahmen weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben", betonte die Schatzmeisterin, die in Zukunft neue Wege gehen will, um die Einnahmequellen nicht versiegen zu lassen. "Es muss eine Alternative für die Musiktage gefunden werden."

Bei den Wahlen am Ende der Versammlung wurde neben dem neuen Führungsgremium auch Effi Dammenhain, Sven Schrade, Christian Däuble, Gerd Münzig und Martin Schrade (alle Beisitzer) das Vertrauen für drei Jahre ausgesprochen. Zudem durften sich unter anderen Karl Roth und Friedrich Wirth über eine Ehrung für ihre 50-jährige Mitgliedschaft freuen. Bereits 60 Jahre hält Klemens Hermann dem Verein die Treue.



 
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