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    Ein zweites Leben mit prächtigen Gewändern
 

Marktstände, Musik und Ritterturnier: Zwei Tage lang wird das Mittelalter auf dem Herrenberger Stadthallenplatz lebendig

Gäubote-Artikel vom 20.08.2007

Herrenberg - Zahlreiche Aufführungen, Marktstände und als Höhepunkt Ritterturniere lockten am Samstag und Sonntag tausende Besucher zu dem vom Musikverein Stadtkapelle Herrenberg ausgerichteten zweiten Ritterturnier und Mittelaltermarkt auf den Festplatz beim Stadthallengelände. Marktstände mit historischem Gerät luden zum Kauf ein, Gaukler, Musik und Kleinkunst aus der Zeit des Mittelalters fanden ein dankbares Publikum. Begeisterung lösten die Ritterturniere mit der Profi-Stuntgruppe "Aventurier" aus.


VON RENATE MEHNERT

Ausstaffiert als Patrizier eröffnete Schultheiß "Andreas vom Ziegelfeld" die Veranstaltung. Im normalen Leben bekleidet Andreas Gravert das Amt des Ersten Bürgermeisters der Stadt Herrenberg. Im Beisein des Marktvogtes, dargestellt von Bernhard Scholz, Leiter der für die Organisation zuständigen Eventfirma "Vivenda Historika", ließ Gravert ein markiges "Höret, höret, höret, Volk zu Herrenberg" erschallen. Allerlei Kurzweil werde geboten. Darunter der Aufzug der edlen Ritter, die gekommen seien mit ihren Knappen und starken Rössern, um die Gunst der edlen Fräulein zu streiten und ihre Kampfeslust und Geschicklichkeit zu beweisen. Mit kräftigem Händegeklapper solle nicht gespart werden, so der sichtlich gut aufgelegte Schultes Gravert zum Publikum. Das nahm seine Aufforderung, "nach erschöpfendem Handeln, Feilschen und Turnierbesuch einzukehren bei den Wirten", dankbar auf. Dicht gedrängt saßen viele Familien auf den Bänken vor den Zelten, wo schmackhafte Kost und Getränke, darunter auch das im Mittelalter übliche dunkle Bier, ausgegeben wurden.


Mittelaltermarkt: Utensilien aus vergangenen Zeiten
GB-Foto: Bäuerle

Bei einem Rundgang konnte man individuelle Bekleidung erstehen, Schmuck oder handgefertigte Einzelstücke nach historischer Vorgabe, dabei erfuhren die Besucher zugleich lebendige Geschichte. Vielerorts brannten Feuer, wo Suppen köchelten oder vor allem Hausgerät aus Eisen geschmiedet wurde: Die bis zu 25 Kilo wiegenden Kettenhemden aus tausenden feinster Eisenringe aus Federstahl waren jedoch in wochenlanger Feinarbeit woanders entstanden. Außerdem verfolgten die interessierten Besucher auf dem fast 5 000 Quadratmeter großen Herrenberger Festplatz unter anderem die Tätigkeit eines Schusters und eines Taschenschneiders, eines Drechslers, Seilers, eines Goldschmieds und eines Wetterfahnenmachers.

Mittelalterfans konnten zudem Lederartikel oder das Zubehör für die damals üblichen Stoffe zum Selbermachen kaufen. An mehreren Ständen war einem diese Arbeit jedoch abgenommen worden: Prächtige Gewänder warteten auf ihre Besitzer, die sich damit in eine andere, längst vergangene Zeit versetzten. Für etliche Begeisterte ist das dann wie ein zweites Leben, das sie neben ihrer normalen, derzeitigen Existenz führen, erklärte eine Teilnehmerin im Flachskleid und Stoffhaube.


Das Pferd im Griff  und das Ziel im Blick: Beim Ritterturnier war Geschick gefragt
GB-Foto: Bäuerle

Wie die verflossene Epoche lebendig wird, erfuhren die Besucher des Mittelaltermarktes am Samstag und Sonntag in Herrenberg unter anderem beim Ritterturnier. Auf der 80 Meter langen Stechbahn zeigten das die "Aventurier", eine Gruppe von rasanten Profireitern in bunten, mittelalterlichen Gewändern, die schon in Filmen und TV-Produktionen mitgewirkt haben. Nach alten Vorgaben stellten sie ihr Geschick bei Wettkämpfen und Kampfspielen zu Pferd unter Beweis.

Zahlreiche Gruppen umrahmten das bunte Treiben des Mittelaltermarktes, aus Kaufbeuren im Allgäu beispielsweise die jugendliche Artistikgruppe "Anam Cara": 15 Mädchen und Jungen im Alter von zehn bis 14 Jahren zeigten Jonglage mit Keulen, Bällen, Feueraktionen und akrobatische Übungen. Unbeschwert und mit viel Freude präsentierten sich die Akteure der seit 2000 bestehenden Gruppe, die Mitglied im Bayerischen Jugendring und somit anerkannter Träger der Jugendhilfe ist.

In Berlin heimisch sind die vier Musiker der "Potenzia Animi", die mit fetziger Musik auf historischen Instrumenten einheizten. Max Xamax aus dem rheinland-pfälzischen Bergzabern zog junge und erwachsene Besucher mit Zaubertricks in seinen Bann. Die Kleinsten lauschten dagegen den spannenden Märchen des tschechischen Schauspielers Miroslaw, die er, im lärmenden Marktgeschehen akustisch leider oft kaum verständlich, im Marionettentheater "Melusine" aufgeführte. Nicht zuletzt trugen die "Tavernenweiber" Birgit und Nacy Voigt und Elke Scholz samt Eunuch mit ihren Sprüchen, Musik und frechen Liedern zum Schlangentanz zum Gelingen der Veranstaltung bei.

Georg Schwenk, Vorsitzender der Stadtkapelle, zeigte sich sehr zufrieden mit dem Verlauf der Veranstaltung: "Sie wird von den Leuten sehr gut angenommen", so sein Fazit. Das hätten ihm viele Besucher bestätigt. "Weil alles so gut ankommt, werden wir die Veranstaltung voraussichtlich alle zwei Jahre fortführen", kündigte Schwenk an.

 
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