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    "Großer Zapfenstreich" lockt Hunderte an
 

Zum 550-jährigen Bestehen der Herrenberger Stadtkapelle:
Geschichtsträchtiges Zeremoniell auf dem Marktplatz

Gäubote-Artikel vom 15.05.2007

Herrenberg - Mit einem an diesem Ort zuvor noch nie zelebrierten "Großen Zapfenstreich" endete am späten Sonntagabend das dreitägige Jubiläumsfest zum 550-jährigen Bestehen der Stadtkapelle. Vor der stimmungsvollen Kulisse des Herrenberger Marktplatzes folgten hunderte Zuschauer im Schein vieler Fackeln gebannt der bewegenden Zeremonie, an der neben der Stadtkapelle die Feuerwehren aus Haslach und Jettingen teilnahmen.


VON RENATE MEHNERT


Stimmungsvolle Zeremonie auf dem Herrenberger Marktplatz:
Der "Große Zapfenstreich"
GB-Foto: Bäuerle

Heutzutage wird der "Große Zapfenstreich" vor allem zu militärischen Anlässen gespielt. Dort, wo es Großes zu würdigen gilt, Gefühle und Pathos dazugehören. Eine ähnliche Grundstimmung war am späten Sonntagabend auf dem Herrenberger Marktplatz auch spürbar. Dass alles in einer ruhigen Gelassenheit ablief, schmälerte die Intensität des Geschehens keineswegs: Es galt einen würdigen Abschluss der 550-Jahr-Feiern der Stadtkapelle Herrenberg zu feiern. Zum ersten Mal gab es deshalb auf dem Platz im Herzen der Stadt einen "Großen Zapfenstreich". Ein Ritual, das erstmalig 1838 in der in Herrenberg gezeigten Form ablief.

Nachdem sich der Marktplatz gefüllt hatte, eröffnete Georg Schwenk, Vorsitzender der Stadtkapelle, die Veranstaltung. In einem kurzen geschichtlichen Abriss erklärte er den Hintergrund des aus Landsknechtzeiten stammenden Signals. 1596 wird es erstmals als das Abendsignal mit "Zapfenschlag", das die Nachtruhe anzeigte, erwähnt. Später wurde das Zeichen in musikalischer Form gegeben, etwa als Trompetensignale mit Trommeln und Flöten. Bald kam ein kurzes Abendlied hinzu, und 1813 erließ König Friedrich Wilhelm III. den Befehl, nach dem Zapfenstreich noch ein Gebet zu sprechen. Auf dieser Grundlinie Locken Zapfenstreich Gebet entstand die heute noch gültige Form des "Großen Zapfenstreichs", erklärte Schwenk den Zuschauern.

Auch in Herrenberg wurde die Zeremonie gemeinsam von einem Spielmannszug und einem Musikkorps ausgeführt, begleitet von Fackelträgern. Tambour des Jettinger Spielmannszuges war Karl-Heinz Beerstecher. Niemals zuvor habe die Stadtkapelle den berühmten "Großen Zapfenstreich" gespielt, erklärte Schwenk. Die abendliche Vorführung sei ein Versuch. Die kann als gelungen bezeichnet werden, denn sie hinterließ am Sonntag bei vielen einen bleibenden Eindruck: Das "Locken" mit fröhlichen Marschmusikklängen, der würdevolle Zapfenstreich selbst mit anschließendem feierlichen Gebet in Form des 1822 von Dimitiri Bortnjanski komponierten Liedes "Ich bete an die Macht der Liebe" waren für die meisten Anwesenden ein eindrückliches Erlebnis. Bereits der Einmarsch der mit Uniform und Stahlhelm ausstaffierten Fackelträger, Angehörige der Feuerwehren aus Haslach und Jettingen, die sich rund um das abgesperrte Areal innerhalb des Marktplatzes aufstellten, schuf eine geheimnisvolle Stimmung. Trotzdem ging es entspannt zu: Caféhausstühle wurden dichter an die Absperrung gerückt, der Kellner servierte, bevor es losging, noch schnell Eisbecher oder italienischen Rotwein.

Inzwischen hörte man aus der Stuttgarter Straße die sich nähernde Stadtkapelle. In voller Besetzung spielte sie beim Einzug fröhliche, zum Anlass passende Marschmusik, bis sie ihre Aufstellung gefunden hatte. So einigermaßen, denn eine militärisch gerade Linie war kaum zu erkennen. Doch gerade diese Lockerheit machte das Geschehen bei allem Ernst der Zeremonie angenehm menschlich.

Trotzdem kam der militärische Ton nicht zu kurz: Major der Reserve Ronny Grund gab in schneidigem Ton Befehle und Meldungen an Mitwirkende und an den "Vertreter der Obrigkeit". Am Sonntag war das Bürgermeister Andreas Gravert. Grunds zackiger Aufforderung an die Bläser: "Spielt den Großen Zapfenstreich!" kamen die unverzüglich nach und bei seinem "Helm ab zum Gebet" entledigten sich die zumeist jungen Feuerwehrleute aus Haslach und Jettingen gehorsam und etwas ungelenk sofort ihrer stählernen Kopfbedeckung. Nach dem Kommando "Ehrenformation: Helm auf!" folgte dann zum Abschluss die Nationalhymne, zu der sich viele Zuschauer von ihren Sitzen erhoben.

 


 




 
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