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   Die Spielleute machen heute konzertante Blasmusik
  Stadtkapelle Herrenberg feiert ihr 550-jähriges Jubiläum: Wurzeln reichen zurück ins Jahr 1457 - Festakt im April
Gäubote-Artikel vom 19.01.2007

An markanten Wahrzeichen mangelt es dem geschichtsträchtigen Herrenberg nicht: Die Gäustadt besitzt nicht nur die weithin sichtbar über ihr thronende Stiftskirche und einen der schönsten Marktplätze Baden-Württembergs. Auch der "älteste Musikverein Deutschlands" ist hier zu Hause. Der "Musikverein Stadtkapelle Herrenberg" sieht sich in einer langen Tradition, deren Ursprünge bis ins Jahr 1457 zurückreichen und feiert heuer sein 550-jähriges Jubiläum.


VON JUTTA KRAUSE

Ihr außergewöhnlich hohes Alter verdankt die Stadtkapelle einer Eintragung von Vogt Heß in seiner Herrenberger Chronik. Dort schrieb er: "Anno 1457 verwilligte Cardinal Julianus den Pfeiffern, Trompetern, Lautenschlägern und Spielleuten, eine besondere Bruderschaft zu halten, dass sie zu ziemlicher Zeit nach Ordnung der heiligen Kirche mögen das Heilige Sacrament empfehlen." Als auch Graf Ulrich die "Freyheiten" der Musikanten bestätigte, konnten diese erstmals eine Art Zunft bilden und ihre eigenen Regeln aufstellen. "Keiner soll dem anderen seine Kunst schmähen", "Keiner soll auf Wucher spielen", "Jeder soll ein silbernes Zeichen tragen, ungefähr ein Lot schwer" lauteten einige der Statuten, über deren Einhaltung ein Meister und zwölf Richter wachten und die über mehrere Jahrhunderte hinweg Gültigkeit hatten.

Heute ist die Stadtkapelle ein großer, moderner Verein mit über 600 Mitgliedern, 70 aktiven Musikern und etwa 150 Kindern und Jugendlichen in verschiedenen Stadien der Ausbildung.



Bilder einer phänomenalen Geschichte: Die Herrenberger Stadtkapelle
feiert das 550-Jährige GB-Fotomontage

Der Musikverein Stadtkapelle Herrenberg sieht sich in einer langen Tradition, steht dabei aber mit beiden Beinen in der Gegenwart. Die Stadtkapelle und ihre verschiedenen Ensembles fühlen sich in der modernen Unterhaltungsmusik ebenso zu Hause wie in der traditionellen Volksmusik. Konzertante und symphonische Blasmusik sowie gehobene Unterhaltungsmusik zum Teil mit Showeinlagen runden ihr vielseitiges Repertoire ab.

Einen Bruch erlitt die Vereinstradition mit dem Dritten Reich, wo die Stadtkapelle, wie viele andere Musikkörper in dieser Zeit, von den Machthabenden instrumentalisiert wurde. Die Zeit als SA-Kapelle wollte man nach Möglichkeit schnell vergessen und so schwiegen die Instrumente für ein paar Jahre. Nach dem Krieg hatte die Stadtkapelle indes Glück bei der Wahl ihrer Dirigenten, die den Verein im Lauf der Jahre zu seiner heutigen Größe ausbauten.

1948 machte sich Karl Fink als erster Nachkriegsdirigent ans Werk des Vereinswiederaufbaus. Wichtig war ihm dabei vor allem auch die Heranbildung von Jungmusikern. Er hatte eine besondere Begabung dafür, Jugendliche für die Blasmusik zu begeistern. Noch heute spielen vier Mitglieder seiner 1958 gegründeten Jugendkapelle im Verein. 1968 übergab er das Amt an den Trompeter Erhard Scholtes, der die Stadtkapelle indes nur wenige Jahre lang dirigierte. 1974 wurde Manfred Schäfer Dirigent. Er baute die Jugendarbeit noch weiter aus.

Nach einem kurzen Intermezzo mit Ernst Hutter, der sich bald seiner Karriere mit der SWR Big Band und bei Ernst Mosch verschrieb, übernahm Thomas Wunder den Taktstock. Unter seiner Führung erreichte die Stadtkapelle bei Wertungsspielen 1991 und 1994 die bislang besten Ränge in der Vereinsgeschichte. Seine Frau Stefanie führte zudem die musikalische Früherziehung ein, die seither fester Bestandteil der Ausbildung ist. Seit Januar 2000 ist Musikdirektor Matthias Beno der musikalische Leiter des Vereins. Auch unter seiner Führung konnten Stadtkapelle und Jugendblasorchester schon einige Erfolge und etliche glänzende Konzerte verbuchen.

Highlights im Vereinsjahr sind die seit 36 Jahren alljährlich stattfindenden Musiktage. Nur einmal im September 2001, wenige Tage nach dem Terroranschlag auf das World Trade Center wurde dieses musikalische Großereignis seither abgesagt. Die zahlreichen Auslandsbesuche, unter anderem in der Partnerstadt Tarare, in Holland, Italien, Österreich, der Schweiz, Mauretanien und der Ukraine, sowie regelmäßige Besuche bei befreundeten Vereinen gehören ebenso zu den besonderen Glanzlichtern im Vereinsleben.

Das Verbindungsglied zwischen den Anfängen der Herrenberger Stadtmusik und der Gegenwart sind die Turmbläser. Damals wie heute lassen sie an Sonn- und Feiertagen ihre Choräle über der Stadt erklingen. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurde sonntags dreimal vom Turm geblasen: Vor und nach dem Gottesdienst und abends um 18 Uhr. Heute müssen die Bläser nur noch einmal die vielen Stufen zum Kirchturm erklimmen, dennoch verlangt die ehrenwerte Aufgabe dem Zinkenisten und seinen Gesellen einiges an Idealismus ab. Doch der speist sich schon allein aus dem ausgeprägten Traditionsbewusstsein der achtköpfigen Gruppe. So zählt Zinkenist Günther Haar bereits seit 1969 zu den Turmbläsern. Er hat die Aufgabe von seinem Großvater übernommen, der ebenfalls viele Jahre lang Turmbläser war. Auch seine Tochter Sandra gehört zum Bläserteam und führt die Familientradition fort.

Das Jubiläumsprogramm der Herrenberger Stadtkapelle beginnt am Freitag, 27. April, mit einem Festakt in der Stadthalle. Vom 11. bis 13. Mai findet auf der Festwiese das Jubiläumsfest mit diversen Konzerten, einem Wettbewerb für Blasorchester und einem großen Unterhaltungsnachmittag statt.

 
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