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   Hochkarätige Stücke
  Stadtkapelle in der Stiftskirche: Klassisches zu Weihnachten
Gäubote-Artikel vom 12.12.2006

Konzentriert zeigte sich der Musikverein Stadtkapelle in der Herrenberger Stiftskirche. Vor vollem Haus präsentierten das große Blasorchester und die Bläserklasse 2005-2007 zum Adventskonzert ein Repertoire zwischen Klassik und angelsächsischen Komponisten. Dekan Klaus Homann setzte Akzente mit adventlichen Gedanken.


VON ANDREAS FISCHER

Wie mächtig das Orchester den Kirchenraum ausfüllen sollte, erlebten die Zuhörer schon gleich zu Beginn. Zwei Strophen des Weihnachtsliedes "Oh Heiland reiß die Himmel auf" sollte das Publikum mitsingen. Es erwies sich vor dem Orchester gesanglich aber eher schwach auf der Brust, zumal viele Gäste wohl doch lieber zum Zuhören als zum Mitsingen gekommen waren. Zum Zuhören boten die Musiker dafür aber hochkarätige Stücke auf hervorragendem spielerischen Niveau. "Trauer und Jubel" sei das Motto des Abends, erklärte Dirigent Matthias Beno, man dringe damit in "emotionsgeladene Bereiche" vor. Mit dem "Jubilate" des amerikanischen Komponisten James Curnow widmete sich das Orchester weit gehend jubilierend, zwischendurch aber auch düster dräuend der Freude. Die "Yorkshire Ballad" des ebenso amerikanischen Komponisten James Barnes, so Beno, beschreibe dramatisch eine bevorzugte Landschaft des Komponisten. Ursprünglich sei eine Ballade ohnehin ein "erzählend-dramatischer" Stil gewesen, seit Chopin gebe es die Ballade aber auch für Orchester. Die musikalische Umsetzung, in der die tiefen Bläser das Motiv vorgaben, erinnerte entgegen des vorherrschenden Wetters allerdings eher an einen Frühlingstag.



Auch angelsächsische Komponisten brachte die Herrenberger Stadtkapelle
zu Gehör    GB-Foto: Bäuerle

Wie mit diesem Stück, so auch mit den folgenden "Courtly Airs and Dances" drückte das Orchester Freude aus. Mit diesen "höfischen Melodien und Tänzen" wandten sich die Bläser wieder einem zeitgenössischen amerikanischen Komponisten und der "höfischen Musik der Renaissance" zu. Eine ankündigende Intrada leitete über zu vier sehr verschiedenen Tänzen unterschiedlicher europäischer Herkunft.

Über die Ankunft im Advent dachte Dekan Klaus Homann mit einer gleichnishaften Geschichte nach. "Es war an einem Nachmittag im Dezember", setzte der Dekan an, "oben war durchgesprochen worden, was im Advent alles zu erledigen und durchzuführen war." "Aber was bedeutet Advent für jeden von euch persönlich?", fragte da einer aus der Runde. Schweigen. "Keiner unterbrach das Schweigen mit einem Scherz oder einem leichten Wort", fuhr der Dekan in seiner Geschichte fort. Stattdessen hätte die Gruppe das Schweigen ausgehalten: "Jeder dachte, jetzt geschieht es, ist das nicht genau Advent?" Von Dunkelheit sprach der Dekan und davon, "dass man sich voller Sehnsucht neu auf den Weg machen wird". Die Dunkelheit ausgehalten hätten die Menschen in dieser Gruppe, sie hätten sich Fragen gestellt, sich gefragt, "was mir zu schaffen macht". Mit den Heiligen Drei Königen und den Hirten auf dem Feld verglich der Dekan die Gläubigen. "Nur ein Stern vor Augen und die Sehnsucht im Herzen das ist Advent", erklärte Homann. Gott bleibe dabei nicht Zuschauer, "er geht mit uns in die Nacht". Das sei die Zusage: "Gott ist mit uns."

Die Bläserklasse der Stadtkapelle leistete dazu mit vier kleinen Stücken ihren Beitrag, bevor das Blasorchester den Rest des Abends bestritt. Mit dem "Irish Tune from County Derry" des Komponisten Percy Grainger schlug das Orchester versöhnliche Töne an. Dirigent Beno erklärte den Bezug des Liedes zum Religionskonflikt in Nordirland. Das Stück lasse die verfeindeten Religionsparteien für einen Moment zu Brüdern werden. "Choral prelude" thematisierte ganz die Trauer. James Barnes habe das Stück einem jung verstorbenen Freund gewidmet, so Beno. Die Gefühlslagen im Angesicht des Todes beschrieben die Musiker so mal dynamisch, mal in stillen Momenten. Den Schluss machten wieder die Zuhörer. "Lobet den Herrn" leitete das Orchester mit dem erweiterten Hauptmotiv ein, das Weihnachtslied "Macht hoch die Tür" begleiteten die Bläser ganz klassisch. Das Publikum hatte sich offenbar mittlerweile eingesungen neben dem raumfüllenden Orchester waren nun auch die Gäste einigermaßen zu hören.

 
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