Presse
 
   Ober-Rothaut trägt einen Doktortitel
  "Ompah-Indianer" bei den Herrenberger Musiktagen:
Hohe artistische Qualität der Darbietungen
Gäubote-Artikel vom 18.09.2006

Herrenberg Indianer! Man ist gewohnt, dass sie durch die amerikanische Prärie reiten, dass sie Büffelherden vor sich hertreiben, dass sie im Grand Canyon campieren, während John Wayne mit ihnen die Friedenspfeife raucht. Wenn sich dann plötzlich zeigt, dass so ein amerikanischer Ureinwohner aus Cottbus kommt, dann ist das schon etwas Außergewöhnliches. Aber von genau dort her stammen die Prärieindianer, die an den Musiktagen teilnahmen.


VON THOMAS MORAWITZKY

Indianern sagt man eine gewisse Weisheit nach. Dass ihr Häuptling promoviert ist, überrascht dann doch. Noch erstaunlicher ist sein Fach: Der da steht in perlengeschmückten Wildlederzeug vor dem Tipi und den Stamm befehligt, ist von Berufs wegen Zahntechniker. Dr. Bernd Otto gründete die Gruppe, damals noch ein Verein für Indianistik, im Mai 1976 in seiner Heimatstadt Cottbus. Heute heißen sie "Ompah Indian Riding Show".


Glanzvolle Kunststücke: Indianer-Show mit Lassowerfen
GB-Foto: Schmidt

Zu reiten war von Anfang an der Wunsch des Hobbyindianers Otto. Und dieser Anspruch trat für seinen Club im Laufe der Jahre immer mehr in den Vordergrund. Der Stamm der Ompah-Indianer verfolgt keinerlei wissenschaftlichen Anspruch und strebt nicht nach Authentizität, ist vielmehr schon von Kindesbeinen infiziert von Spieltrieb und Indianerbuchromantik. "Ich habe schon als Kind gerne Indianer gespielt", gesteht Otto.

Damit war er nicht alleine in der DDR der 70er Jahre. Bernd Otto stellte sich schon früh die Frage, weshalb die damals häufig anzutreffenden Indianistik-Gruppen das Leben der Prärieindianer nachspielten, jedoch in der Regel ohne Pferde, die im Leben dieser Indianer doch schließlich eine wichtige Rolle eingenommen hatten. Als er selbst Gelegenheit erhielt, einige gescheckte Pferde zu erwerben, zögerte er nicht. Zu seinen Absichten gehörte außerdem von Anfang an, eine Showtruppe aufzubauen die Ompah-Indianer sollten vor Publikum auftreten und Reitkunststücke aufführen. Dass das Klischee der Indianer, die ohne Sattel reiten, nichts mehr als ein Klischee ist, auch das fand er schnell heraus: "Das ist einfach nur Quatsch", sagt er. "Die Indianer ritten ohne Sattel lediglich in den Krieg, da sie fürchten mussten, dort zu fallen." Ein Sattel war für die Indianer, die nur über primitive Werkzeuge verfügten, ein zu wertvoller Besitz, um ihn derart zu riskieren.

Den Vorsitz über die Ompah-Gruppe hat Otto längst abgegeben, ihr Häuptling ist er eigentlich also nicht mehr, ihr künstlerischer Leiter indes nach wie vor. Heute zählt der Indianerstamm aus dem Osten Deutschlands 16 Mitglieder, die auch alle in Herrenberg zu Gast waren und mit ihren Tipis auf dem Platz vor der Versteigerungshalle campierten. Dort war während der Herrenberger Musiktage ein Gelände abgesperrt, auf dem ihre Pferde ausritten, auf dem sie ihre Kunststücke vorführten und auf dem auch das Herrenberger Publikum, vor allem die Kinder, zum Teilzeitindianer werden konnten.

Am Samstagnachmittag spielten dort Kinder und Indianer das "La Cross"-Spiel, eine Abart der indianischen Stockballspiele, die mit geflochtenen Schlägern und Bällen aus Leder gespielt wird. Dort führten die Indianer auch immer wieder ihre Artistik auf, insbesondere Reitkunststücke und Lassowurf. Darauf ist Otto nach wie vor stolz, denn nicht jeder Hobbyindianer beherrscht solche Tricks. In den 70er Jahren genossen die Cottbuser Indianer die Förderung des DDR-Staates. So kam es, dass der Staatszirkus der DDR die Patenschaft des Vereines übernahm und das Cottbuser Fleischkombinat da es allein die nötigen Transportmöglichkeiten besaß zu seinem Träger wurde. Otto selbst erhielt Gelegenheit, bei einem Moskauer Zirkus zu hospitieren und Kunststücke zu erlernen, die sonst keiner in der DDR beherrschte.

Auch wenn die Kostüme, die Bemalungen und die Gebräuche dieser Indianer mehr abgeschaut denn nachempfunden sind: Auf die artistische Qualität ihrer Darbietungen ist Oberindianer Bernd Otto zu Recht sehr stolz. Und die hat auch ihre Neider: Erst kürzlich, erzählt er, versuchte ein Mittelalterverein einige seiner Leute abzuwerben. Erfolglos: Eine Rothaut bleibt eine Rothaut, auch wenn sie aus Cottbus kommt.

 
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