Presse
 
   Nicht unter einer flittergoldener Schicht aus Puderzucker
  Zwischen üppiger Klangopulenz und reflexiven Momenten des Innehaltens:
Adventliches Konzert der Stadtkapelle Herrenberg in der Stiftskirche
Gäubote-Artikel vom 6.12.2005

Zwischen "Greensleeves" und SaxofonBallade: Der Musikverein Stadtkapelle Herrenberg zelebrierte beim Adventskonzert in der Stiftskirche den musikalischen Kontrast zwischen üppiger Klangopulenz und reflexiven Momenten des Innehaltens.


VON MARION SCHRADE

Das Tutti erstrahlt in mächtigem Forte, die Pauke donnert, die Becken blitzen. Alfred Reed, der erst vor wenigen Wochen 80-jährig verstarb, spart in seinem "Alleluja Laudamus te" nicht an wirkungsvoller Klangpracht, die das große Blasorchester des Musikvereins in eine explizite Musiksprache übersetzt. Das Orchester lotet seine ihm zur Verfügung stehenden Klangfarben effektvoll aus. Die Holzbläser schwelgen in der verklärten Andacht des hymnischen Themas, goldene Horntöne kleiden die Musik in ein leuchtendes Gewand. Die Trompeten heben zur majestätischen Fanfare an, die kleine Trommel schlägt den Marschrhythmus. In nicht minder kräftigen Farben malt James Curnow sein "Weihnachtliches Tryptichon": Wie der Titel bereits andeutet, spart der Komponist nicht an satter Bildlichkeit. Die Flöten dürfen in pastoraler Idylle singen, die hellen Töne von Glockenspiel und Xylofon klirren wie glitzernde Eiskristalle. So viel weihnachtliches Flair darf und muss beim Adventskonzert schon sein. Allerdings achten die Akteure in ihrer Programmwahl offenbar behutsam darauf, ihre musikalischen Fähigkeiten nicht unter einer flittergoldenen Puderzuckerschicht zu verstecken. Mit Alfred Reeds Ballade für Altsaxofon und Blasorchester distanziert sich die Kapelle vom rein sakralen oder weihnachtlichen Repertoire. Das Orchester skizziert ein pastellgetöntes Bild, das verhalten in sich ruht. Eng am Sprachduktus bleibend kommentiert das Altsaxofon (Sven Bruckner) in rhapsodischer Bewegung die Szenerie, der Solist ist weniger Dialogpartner als außenstehender Betrachter. Der junge Saxofonist Sven Bruckner gestaltet seinen Part trotz technischer und rhythmischer Finessen in aller Sicherheit und spricht eine angenehm unaufgeregte Tonsprache. Weitere Ruhepunkte setzt die Kapelle mit Richard Strauss' Lied "Allerseelen" in einer Instrumentierung für Blasorchester und der bekannten englischen Hymne "Greensleeves". In beiden Stücken beeindruckt der vielstimmige Klangkörper vor allem durch seine ungemein plastische Gestaltungskraft: In Strauss' Lied, explizit auf die Todesthematik verweisend und darin mit dem weihnachtlichen Glanz hintersinnig kontastierend, läuten die Röhrenglocken mit matter Stimme das Totenglöckchen, über den Tiefen der Bässe erhebt sich ein naturtönendes Hornmotiv. Derart szenische Evokationen gehören zur musikalischen Charakteristik der Kapelle, die Musikdirektor Matthias Beno mit präzisem, ungemein gestischem Dirigat buchstäblich fest im Griff hat. So wächst das zarte, melancholische "Greensleeves"-Thema in seiner archaischen Tonalität sukzessive aus einem Urgrund hervor.


In der Herrenberger Stiftskirche beweisen die Musiker der Stadtkapelle ihr vielseitiges Können
GB-Foto: Bäuerle

Drei Choralvorspiele von William Latham wiederum versichern die Rückbindung an den religiösen Kontext des Konzerts, steht dieses doch unter dem Motto "Lobpreisung". Die drei Sätze platziert das Orchester wirkungsvoll an den Angelpunkten des Programms: Das hymnisch strahlende "Ermunter dich mein schwacher Geist" eröffnet das Konzert in perfektem Wechselspiel der beiden musikalischen Ebenen: Das Gros des Ensembles findet sich zum vielstimmigen Klanggemälde, in dessen Vordergrund die Trompetenregister die strahlende Erscheinung des cantus firmus rücken. Das sich mühselig dahinschleppende, in barocker Affektsprache klagende "Herzlich tut mich verlangen" indes ist geschickt Strauss' "Allerseelen" vorgelagert und verweist implizit auf die Todesthematik hat Johann Sebastian Bach die Melodie doch in seiner "Matthäus-Passion" verwendet.

Das leuchtende Bekenntnis "Nun danket alle Gott" beschließt den Vortrag der Instrumentalisten, das Konzert selbst freilich endet erst mit dem traditionellen Adventslied "O du Fröhliche", in das auch die zahlreichen Zuhörer einstimmen, die auch das hat gewissermaßen Tradition die Stiftskirche bis auf den letzten Platz füllen.



 
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