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   Karibisch und armenisch, Bläserklänge vom Feinsten
   
Gäubote-Artikel vom 14.03.2005

Das Frühjahrskonzert der Stadtkapelle Herrenberg zeigte die große musikalische Bandbreite und Virtuosität des fast 100 Musiker starken Orchesters. Der voll Klang füllte die Stadthalle und ließ Nuancen vom zarten Piano – Solo bis zu wuchtigem Fortissimo zu. Wegen des widrigen Wetters hatten weniger Zuhörer als üblich den Weg dorthin gefunden, doch den Anwesenden gefiel es. Immer wieder gab es spontane Ovationen nach den einzelnen Darbietungen.

Wie stets machten die Bläserminis den Anfang. Seit November spielen die Mädchen und Jungen zusammen und bekundeten einhellig, nicht aufgeregt zu sein. Schließlich war es nach dem Neujahrskonzert bereits der zweite Auftritt. „Let’s rock“ ist das Lieblingsstück der elf Spieler, das diese schwungvoll und mit Begeisterung musizierten. Diplom-Musikdirektor Matthias Beno leitete auch die Jüngsten gekonnt, die mit „Old Mac Donald hat 'ne Band“ eine reizende Zugabe in petto hatten.

Die Jugendgruppe trat unter dem Dirigenten Andreas Marquart an, der auch als Musikschulkollege mit Matthias Beno in vielen organisatorischen und musikalischen Belangen der Stadtkapelle zusammenarbeitet. Abwechslungsreich erklangen drei unterschiedliche Werke: der traditionelle, beschwingte Schlittschuhläufer-Walzer, ein etwas langatmiges Western-Medley und ein mitreißendes „Island Paradise“, das bereits karibische Lebensfreude mitbrachte und auf das karibische Konzert des großen Blasorchesters wies. Die 20 Jugendlichen spielten flott und recht geschlossen, die Zugabe durfte nicht fehlen.

Die nächste Stufe vor den Aktiven ist das Jugendblasorchester, das aus etwa 30 Musizierenden besteht. Wiederum schwang Matthias Beno den Taktstock, wiederum war eine Zugabe Pflicht. Angelehnt an die großen tschechischen Komponisten erklangen drei Lieder verschiedenen Charakters, die von den Jugendlichen einfühlsam interpretiert wurden. Die Tempowechsel gerieten schön, und der dritte Satz, der den Frühling als „wahren Springinsfeld“ abbildete, rief Lust auf einen Wetterumschwung hervor. Temperamentvoll gelang die rhythmisch interessante afrikanische Rhapsodie, bei der Beno das Orchester nach einer kleinen Unsicherheit zu Beginn gut im Griff hatte.

Die Ehrungen für langgediente Musiker durften natürlich nicht fehlen. Sie wurden vom Kreisverbandsvorsitzenden Gerhard Weisenböck vorgenommen. Harald Brenner und (in Abwesenheit) Joachim Hirth wurde die Ehrennadel in Gold für 30 Jahre aktive Mitarbeit verliehen. Friedrich Glaser erhielt gar die Ehrennadel in Gold mit Diamant für 40 Jahre aktives Musizieren. Für besondere Dienste wurden Schriftführerin Monika Fleischhauer und Andreas Fischer (verschiedenste Ämter wie Beisitzer, zweiter Vorsitzender, Kassier) mit der Ehrenmedaille in Silber ausgezeichnet. Eberhard Fauß, der sich mit diesem Konzert in den musikalischen Ruhestand verabschiedete, wurde zum Ehrenmitglied der Stadtkapelle ernannt. Der Vorsitzende Georg Schwenk würdigte seine langjährigen Verdienste auch bei den Turmbläsern und bei Beerdigungen und drückte die Hoffnung aus, dass die Auszeichnungen eine Motivation für die Minis sein werden.

Das große symphonische Blasorchester hatte nach der Pause vier musikalische Leckerbissen parat. Der Höhepunkt des Abends war das Karibische Konzert von Kees Vlak, eine dreisätzige Suite mit drei Antillen-Inseln als Titel. Dem Publikum zuckten die Beine bei den eingängigen, aber doch komplexen karibischen Rhythmen, die die Schlagwerker in bewundernswerter Abstimmung zelebrierten. Mal energisch, mal dramatisch, mal melancholisch kam die Musik daher. Die Musizierenden zeigten sich gewohnt virtuos, besonders hörenswert waren die zahlreichen Holzbläsersoli, eindrücklich namentlich Monika Wunder an der Oboe. Die Liebeserklärung an das Land Sardinien von Hardy Mertens erhielt ebenfalls viele Einzelsoli. In den Osten entführten fünf armenische Tänze, in denen ein arrogant stolzierendes Rebhuhn oder ein Aprikosenbaum in Musik umgesetzt wurden. Der virtuose abschließende Schnelltanz ließ die musikalische Meisterschaft der Stadtkapelle aufblitzen. Er riss das klatschfreudige Auditorium zu spontanen Bravo-Rufen hin.

Das sinfonische Triptychon von James Curnow entpuppte sich gleichfalls als Klangerlebnis. Der besinnliche Mittelsatz hatte Raum für die Holzbläser mit der Solooboe. Zwei Märsche, der erste mit Fanfare, der zweite äußerst dramatisch und bewegt, rahmten das Klanggemälde ein.
Das enthusiasmierte Publikum erklatschte sich zwei Zugaben. Matthias Beno verwies hier auf die traditionelle Historie der Stadtkapelle, der Marschmusik. Zunächst erklang der bayerische „Larida-Marsch“ und daraufhin der „Deutschmeister-Marsch“. Der begeisterte und lang anhaltende Applaus bestätigte die beachtliche Leistung des großen Klangkörpers Stadtkapelle und des Dirigenten Matthias Beno.

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