Presse
 
   Tausende Besucher säumen die Straßen
  Blitzende Helme, tanzende Mädchen und die Bruderschaft der Feinschmecker:
Festzug der Musiktage wieder Puplikumsmagnet
Gäubote-Artikel vom 20.09.2004

Herrenberg - Einmal mehr als Publumsmagnet erwies sich am gestrigen Sonntag der Festzug bei den Herrenberger Musiktagen. Rund 8 000 Besucher säumten die Straßen Herrenbergs, durch die sich rund 1 000 Umzugsteilnehmer in 32 farbenprächtigen Gruppen schlängelten. Georg Schwenk, Vorsitzender des veranstaltenden Musikvereins Stadtkapelle Herrenberg, schätzt, dass in den vergangenen drei Tagen rund 14 000 Gäste den Weg in die Gäustadt gefunden haben.

VON THOMAS MORAWITZKY


Farbenprächtig: Tänzerinnen beim Festzug auf dem Herrenberger Marktplatz
GB-Fotos: Holom

Menschenmengen säumen die Straßenränder, hier schmettert eine Trompete, dort schlägt eine Trommel. Bei solchem Trubel kann man schon nervös werden, zumindest, wenn man ein Pferd ist. Das Tier, auf dem Gerhard Schmitt, der Herold Herrenbergs, mit seiner Standarte sitzt, tritt auf jeden Fall unruhig auf der Stelle und wirft den Kopf zurück. Ihm voran schreitet Udo Matzel aus Unterjettingen, der mit seinen Mini-Shettland-Ponys, sieben Tieren und einem Gespann, den Festzug eröffnet.


Die Abgesandten des Mittelalters, mit ihrem Markt eine der Attraktionen der Musiktage in diesem Jahr auch sie sind beim Zug dabei, und dies in nicht geringer Zahl. So trifft man auf den Straßen eben jene Hexe wieder. Und man begegnet Jens Kielich, elf Jahre alt, aus Messstetten, einem bedauernswerten jungen Menschen, dessen Hals und Hände in ein hölzernes Scharnier gezwängt sind, während er seiner Gruppe hinterherstolpert. "Unbequem ist das schon!" seufzt er. "Drei Äpfel hat er gestohlen!" schimpft ein Rittersmann, der den Sträfling überwacht.


Die jüngste Teilnehmerin am Festzug steht in diesem Jahr eindeutig fest: Es ist die eineinhalbjährige Hanna, die von ihrer Mutter in einem Kinderwagen beim Aufzug des Trachtenvereins Neckartaler aus Kiebingen mitgeschoben wird und die die Zuschauer, die sich entlang der Straße aufgereiht haben, mit großen Augen anstaunt.

Die polnische Tanzgruppe, die man tags zuvor an Marktplatz und Nufringer Tor bewundern konnte, ist eine der schönsten Gruppen des Umzuges. Die Jungen tragen leuchtend blaue Trachten und die Mädchen grüne Kleider und Bänder und Blüten im Haar. Sie tanzen auf der Straße im Kreis, während ein Musiker die Teufelsgeige spielt, einen Stock, an dessen Spitze ein geschnitztes Teufelsgesicht sitzt und auf dem der Takt geschlagen wird. Die "Spicklingsweiber" aus Weil der Stadt, die ihnen auf den Fuß folgen, sind schlichter gekleidet und verteilen Apfelkuchen ans Volk "ganz einfacher Kuchen", wie Spicklingsweib Viola Sautter erklärt. Ihnen wiederum folgt die Weil der Städter Bürgergarde, eine Truppe, die nahezu authentischen Militärdrill um sich verbreitet.


Gemütlicher wirkt da schon das Ochsengespann von Oliver Neumann aus Schopfloch. Hinten, auf dem Leiterwagen, sitzen zwei Kinder, die sich vom Gespann durchs Spalier der Zuschauer chauffieren lassen. Und auch der Hoflieferant von Stuttgarter Hofbräu, der in seinem Oldtimer von 1873 hinter ihnen herrollt, versprüht Gemütlichkeit. Vom Wagen Rolf Breimaiers aus Leonberg, der kurz darauf folgt, spähen indes neugierige Schafe herab aufs Straßenvolk und die schönen, schlanken Mädchen der "Unification Cultural Espagnola" aus Stuttgart klatschen in die Hände, während sie in ihren bunten Kleidern die Straße entlangschreiten.


Eine geballte Ladung Historie folgt mit den Feuerwehr-Oldtimer-Freunden aus Gäufelden. Heinrich Kirn kennt sich in der Materie so gut aus, dass er einzelne Details der Feuerwehruniformen exakten Jahreszahlen zuordnen kann. Aus dem Jahr 1893 stammt die Formation; sie wird angeführt von schwarzgekleideten Generalen der Kavallerie, hinter denen die blaurote Linieninfanterie marschiert.


Und nun schreitet auch die offizielle Freundschaftsgruppe Herrenberg-Tarare an den Zuschauern vorbei, die "Confrère de la Gourmanderie", die aus neun Bürgern der Partnerstadt und sechs Herrenbergern besteht, unter ihnen Helmut Maier, ehemals Erster Bürgermeister Herrenbergs, und Oberbürgermeister Dr. Volker Gantner. Die Bruderschaft der Feinschmecker hat es sich zur Aufgabe gemacht, für den französischen Beaujolais zu werben, weshalb ihre Mitglieder über den wehenden Talaren in den Farben Tarares kleine Weinschalen um den Hals tragen. Am Abend vor dem Umzug wurden zwei neue Mitglieder aus Herrenberg in "La Gourmanderie" aufgenommen, Adler-Wirt Wilhelm Bührer und der ehemalige Ortsvorsteher in Kayh, Mönchberg und Gültstein, Willi Hirth.


Als eine der letzten Abteilungen schließlich schreitet das Rokoko vorüber Monika Herrmann und Günther Weiß darunter, die den Ludwigsburger Venezianern angehören und, kostümiert als Höflinge des 18. Jahrhunderts, eine gewaltige mit Kürbissen geschmückte Kulisse zum 300. Jubiläum des Ludwigsburger Schlosses flankieren.

 

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