Presse
 
   Allerlei raue Gesellen
   Mittelalterlicher Markt: Premiere anlässlich der Musiktage
Gäubote-Artikel vom 20.09.2004

Herrenberg - "Kommt doch näher, sonst müssen wir so laut reden!" Wobei von Reden eigentlich nicht die Rede sein kann, denn die Aufforderung gellt als kehliger Schrei eines mittelalterlichen Marktmannes über den Stadthallenvorplatz. Der mittelalterliche Markt, der erstmals während den Herrenberger Musiktagen gastierte, brachte allerlei raue Gesellen ins Gäu, Ritter, die mit Schwertern klirrten, Fräulein, die mit Bändern im Haar hin und her huschten, Gaukler, die auf Stelzen gingen.

VON TOMAS MORAWITZKY


Buntes Treiben herrscht am Samstag und Sonntag auf dem Mittelalterlichen Markt
GB-Fotto: Holom

Und er brachte blendendes Wetter, denn die Sonne, sie schien zumindest am Samstag in mittelalterlicher Pracht herab aufs historische Treiben. Es war das erste Mal, dass solcher ein Markt mit mehr als 200 Teilnehmern, organisiert von Elke und Bernhard Scholz aus Rheinau/Linx, in Herrenberg Station machte. Auf ihm bekamen die Flaneure nicht nur den ganzen Prunk mittelalterlicher Kostüme zu sehen, auf ihm ließen sie auch mit sichtlichem Vergnügen ihre Silberlinge. Obs nun eine mit schweren Kräutern gebratene Lammhaxe war, für die man berappte, handgefertigte Schuhe aus feinem Leder, Seifen, in denen Blütenknospen klebten, erlesene Räucherwaren wie Weihrauch oder Schmuck, bei dessen Herstellung man dem mittelalterlichen Kunstschmied aufs versierte Zangenwerkzeug schauen durfte bei so viel Selbstgeschöpftem, Handgemachtem, Ungewohntem kam die Lust am Einkauf zu ganz neuen Höhen. Und zwischendurch nahm man dann einen Schluck Gerstensaft aus einem schmucken Becherglas, ein wenig "fruchtiges Gesöff" mit Joghurt und dem hochprozentigem Bärenfang versetzt, oder eine kultivierte Tasse Honigmet, lieblich oder trocken. Derweil sah man zu, wie wilde Raubritter mit Ästen auf Holztafeln warfen, ihre Armbrüste spannten und die Hexe Freya mit dem Riesen Igor durchs Volk zog.

Aber es gab auch Zwist im goldenen Mittelalter, manch einer landete mit dem Hals in der Schandgeige. Und davon, welche Veränderungen ein jahrhundertelanger Zivilisationsprozess für das weibliche Geschlecht mit sich brachte, durfte man sich ebenfalls überzeugen. Zu Zeiten der Ritter und der Burgfräulein jedenfalls fuhren sich die Frauen noch wild fauchend auf dem Marktplatz an die Kehle so zumindest wurde es von den Mittelalterfreunden aufgeführt. Bevor die Damen sich die Augen auskratzen konnten, griff ein beherzter Mann des Mittelalters jedoch geistesgegenwärtig zum hölzernen Wassereimer und verpasste ihnen, zur Erheiterung der Umstehenden, die nötige Abkühlung.

Solche Showeinlagen gab es etliche auf dem Markt Schaukämpfe und Marionettentheater, mittelalterliche Tänze und Musik, Tavernenspiele, Schalmeien und Dudelsäcke. Ob es denn schwer sei, auf Stelzen zu gehen? Diese Frage hörte eine Hexe immer wieder. "Nein, gar nicht. Nur stehen zu bleiben ist schwer." Deshalb hielt sie sich auch gerne an Passanten fest, die sich mit ihr fotografieren ließen. Gleich neben der Stadthalle campierten "Autumus Medivalis", der "Herbst des Mittelalters", eine Truppe aus der Nähe Karlsruhes mit Mitgliedern im ganzen Land, die das Leben im späten Mittelalter nachstellte Ritter, Knappen und Fräulein, die Schaukämpfe veranstalteten und sich am Rande des Schlachtfeldes ihre Steaks brieten. Gegenüber eine Rüstkammer für Kinder, in der sich junge Ritter mit Schildern, Schwertern und Dolchen aus geöltem Holz auf den Krieg gegen ihre Erziehungsberechtigten vorbereiten konnten. Ein Stück weiter ein kauziger Händler, der einen florierenden Handel mit geheimnisvollen Elixieren trieb. Und mitten drin diese tapfere Brüderschaft, die stolz auf dem Marktplatz ihre Schwerter kreuzte. Es wurde gefeilscht, geklirrt und aus Hörnern getrunken.

 

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